Die Qualitätsrichtlinien für Fenster: Was sagen sie aus?

Die Wirtschaftskammer Österreich (Plattform Fenster und Fensterfassaden) hat vor einiger Zeit Qualitätsrichtlinien herausgegeben, die bei der neutralen Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Fenstern und Außentüren eine Hilfestellung darstellen sollen. Doch was beinhalten diese Richtlinien eigentlich?
Zunächst einmal muss angemerkt werden, dass die Richtlinien an dieser Stelle nicht in all ihrer Ausführlichkeit wiedergegeben werden können. Wir möchten aber dennoch die wichtigsten Punkte erläutern, damit Sie sich selbst ein Bild von den strengen Kriterien machen können.

Beginnen wir bei der Oberfläche von Kunststoffprofilen: Sie soll glatt und frei von nicht entfernbaren Verschmutzungen, die Kante zudem absolut gratfrei und eben sein. Kunststoffprofile werden häufig mit speziellen Dekorfolien versehen, um verschiedene Farben und Strukturen anzubringen. Solche Folien müssen an sämtlichen, im geschlossenen und eingebauten Zustand des Fensters sichtbaren Flächen vollkommen blasen- und faltenfrei anliegen. Ein weiterer wichtiger Punkt: PVC-Profile werden bekanntlich durch Verschweißen in den Ecken verbunden. Im Idealfall sollte die nachbearbeitete Naht keine Einschlüsse oder Löcher aufweisen. An der Schweißstelle machen sich selbst kleinste Unterschiede in der Profilgeometrie bemerkbar. Bei einer Profiltiefe bis zu 80 Millimetern darf die sogenannte Lagetoleranz der sichtbaren Profil-Ansichtsflächen 0,6 Millimeter betragen, ist die Profiltiefe dagegen größer als 80 Millimeter, ist eine Lagetoleranz von maximal 1,0 Millimetern vertretbar. Diese Werte richten sich nach der “ÖNORM EN 12608”, Maße und zulässige Abweichungen, 2003 09 01. Die Prüfung des Erscheinungsbildes auf optische Mängel erfolgt bei Kunststoffprofilen im Abstand von maximal drei Metern.

Für Aluminiumprofile gelten dagegen besondere Richtlinien. Abplatzungen und Farbabläufer sind auf der Sichtseite der Profile generell nicht zugelassen. Krater und Blasen jedoch bedingt, und zwar maximal zehn Stück pro Meter beziehungsweise Quadratmeter, wobei der Durchmesser der Krater und Blasen nicht größer als 0,5 Millimeter sein darf. Schleifriefen, Dellen und Schweißnähte sind auf der Sichtseite der Profile nur dann zugelassen, wenn zuvor kein Feinschleifen vereinbart wurde.
Auch hier interessant zu wissen: Die Beurteilung des Aussehens von Aluprofilen in Bezug auf die Einheitlichkeit von Farbe, Struktur und Glanz hat bei diffusem Tageslicht an der Außenseite in einem Abstand von maximal drei Metern, für Innenbauteile dagegen in einem Abstand von zwei Metern zu erfolgen.

Kommen wir nun zu den Holzprofilen. An den Ansichtsflächen innen und außen sind Querrisse, Aussplitterungen und Hobelschläge nicht zulässig. Schleifspuren in Längs- und Diagonalrichtung sind an den Ansichtsflächen innen und außen nur dann zulässig, wenn sie bei einer Beurteilung aus einem Meter Entfernung nicht auffällig sind. Eventuelle Längsrisse dürfen sich nach der Beschichtung auf keinen Fall abzeichnen. Generell gilt ohnehin: Vor der Beschichtung sind alle Risse bestmöglich auszubessern. V-Fugen müssen sorgfältig und vollständig geschlossen werden.

Interessant ist auch die empfohlene Qualitätsrichtlinie zum Thema Verglasung. Bei der Herstellung von wärmebehandelten Gläsern wie beispielsweise dem Einscheibensicherheitsglas (ESG) entstehen unterschiedliche Eigenspannungen, die in der Fachsprache Anisotropien genannt werden. Unter bestimmten Lichteinflüssen werden diese Anisotropien in Form von dunklen Ringen und Streifen sichtbar. Hier handelt es sich aber um einen unvermeidbaren und herstellungsbedingten, physikalischen Effekt, der keinen Grund für eine Reklamation darstellt. Diese Richtlinie orientiert sich übrigens an der “ÖNORM B 3738” Glas im Bauwesen. Darüber hinaus besagt die Qualitätsrichtlinie, dass sich bei Isolierglas mit hoher Wärmedämmung auf der witterungsseitigen Glasoberfläche vorübergehend Tauwasser oder sogar Eis bilden kann, wenn die relative Luftfeuchte im Außenbereich hoch und die Lufttemperatur noch höher als die Temperatur der entsprechenden Scheibenoberfläche ist. Auch dies stellt keinen Mangel dar.

Wie eingangs erwähnt, ist dies nur ein kleiner Ausriss aus dem umfangreichen Merkblatt der Wirtschaftskammer Österreich. Eine Rechtsverbindlichkeit wird aus den Empfehlungen nicht abgeleitet, dennoch sind sie gute Anhaltspunkte, die bei der Einschätzung der Qualität helfen.
Bei Systemen aus unserem Haus brauchen Sie sich jedoch ohnehin keine Sorgen zu machen, denn unsere Markenprodukte entsprechen prinzipiell sehr hohen Qualitätsstandards.

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